Stichworte | Thomas Borghoff Web Engineering

Konzepte

Das Konzept oder Projektbeschreibung ist die halbe Miete eines Projektes. Anders als bei einer Drucksache, bei der Sie sich nur im Ausnahmefall um die technische Umsetzung kümmern müssen, ist die Erstellung einer Website um einiges komplexer. Einmal, weil eine Website »interaktiv« ist, Ihr Kunde arbeitet in und mit Ihrer Website, zum anderen, weil die Interaktion technisch umgesetzt werden muss.

Das Konzept beschreibt im Ergebnis die Aufgabe, die die Website oder das Internet-Projekt für Ihr Unternehmen erfüllen soll (Pflichtenheft) und es beschreibt die Funktionen mit denen die Aufgabe erfüllt wird (Lastenheft). Ein Konzept sollte übrigens auch klar seine Lücken benennen. Bei Projektstart noch nicht getroffene Festlegungen müssen ebenso klar aufgeführt werden, wie die verabschiedeten Eckpunkte.

Auch für Websites gilt: Form follows function

Screendesign und Programmierung sind Arbeiten, die nur aus der Funktionsbeschreibung der Website heraus sinnvoll umzusetzen sind. Die Frage lautet also zuerst: Was soll die Website tun? Was sind die Ziele der Website, welche Bestandteile werden dafür benötigt, woher kommen die entsprechenden Inhalte? Was ist die Zielgruppe oder gibt es gar mehrere, werden diese trotzdem einheitlich angesprochen? Wieviel Zeit und Geldbudget steht im Unternehmen zur Verfügung? Welche Produkte oder Dienstleistungen werden angeboten?

Gehen Sie den umgekehrten Weg und unterwerfen sich einer bestimmten Gestaltung oder Technik (»Das macht man heute so …«), dann sind Sie die nächsten zwei bis fünf Jahre damit beschäftigt erwünschte, sinnvolle oder notwendige Funktionen in einem gestalterischen oder technischen Rahmen auszuführen, der dafür nie vorgesehen war. So etwas kann auch trotz bester Vorarbeit mit einzelnen Funktionen passieren und ist dann anstrengend genug, wenn Sie aber von vorneherein den zweiten Schritt zuerst machen, werden Sie aus dem Stolpern nicht mehr herauskommen.

Für ein solches Konzept benötigen Sie jemand, der sich mit Ihrem Unternehmen, Ihrem Marktumfeld und – vereinfacht gesagt – mit dem Internet auskennt. Ihr Unternehmen und das Marktumfeld kennen Sie als Verantwortlicher besser als jeder andere. Aber mit dieser Kenntnis geht fast immer auch ein gewisses Maß an Betriebsblindheit einher, ein externer Blick kann da Impulse setzen.

Beim Internet wird die Entscheidung wer sich da auskennt, schon wesentlich schwieriger. Es macht einen großen Unterschied, ob Sie nun eine reine Imageseite für eine Endverbraucherprodukt erstellen oder einen Produktkonfigurator für Ihren technischen Vertrieb. Im einen Fall mag ein versierter Gestalter der richtige Ansprechpartner sein, im anderen Fall der Programmierer. Da die meisten Projekte sowohl das »Look and Feel« als auch eine mehr oder minder komplexe Interaktion zwischen Mensch und Maschine benötigen, sind beide in der Regel nicht die erste Wahl.