Stichworte | Thomas Borghoff Web Engineering

Screendesign

Screendesign ist Produktdesign

Eine Website ist ein komplexes technisches Produkt. Als »Screendesign« bezeichnet man die optische Darstellung der Inhalte einer Website am Bildschirm. Dementsprechend ist Screendesign immer auch Produktdesign. Anders als das Graphikdesign, welches meist in linearer Form als Broschüre oder Prospekt ausgedruckt und wahrgenommen wird, stellt Screendesign daher wesentlich höhere Anforderungen an die Designarbeit. Zur rein visuellen Ebene (sieht gut aus) kommen auch noch interaktive Komponenten (lässt sich gut bedienen), technische (funktioniert vorhersehbar) und rechtliche Aspekte (Datenschutz und -sicherheit) eine Rolle spielen.

Vorgehensweise

Das Screendesign setzt die im Konzept, in der Inventarliste und dem Drehbuch beschriebenen Funktionen, Aufgaben und Aussagen gestalterisch um. Es ist kein Ersatz für ein Konzept. Konzept, Inventarliste, Drehbücher sowie das Corporate Design sind Voraussetzungen für gutes Screendesign.

Üblicherweise ist Ihr »Corporate Design (CD)«, also einfacher gesagt, Ihre gestalterischen Grundlinie einer der Ausgangspunkte für ein Screendesign. Dazu gehören in der Basisausstattung ein Logo und daraus abgeleitet oder zusätzlich vorgegeben auch Ihre Schmuckfarben (»Unser Rot«, »mein Blau«). Hilfreich können auch weitere Druckunterlagen wie Prospekte, Briefbögen (»Geschäftspapier«), Visitenkarten (»Geschäftskarten«) usw. sein. Wenn Sie ein ausgearbeitetes Corporate Design samt Style Guide besitzen, umso besser, dann ist das der Ausgangspunkt.

Aus diesen Elementen setzt man eine oder zwei Seiten einer Website als Entwurf. Anschließend beginnt dann die Abstimmung des Entwurfes mit Ihnen. Der Entwurf enthält alle in der späteren Website notwendigen gestalterischen Elemente und Seitentypen, zeigt Ihnen den typographischen Aufbau (Navigation, Überschriften, Fließtext, Adresszeilen, …) und vermittelt Ihnen so einen recht umfassenden Eindruck der fertigen Website.

Je nach Komplexität des Vorhabens kann das Screendesign natürlich deutlich mehr als ein oder zwei Seiten umfassen. In der Regel ist es auch so, dass das Screendesign zu Beginn des Satzes, also der Umsetzung als HTML noch nicht komplett in allen Details vorliegt. Das ist dann unproblematisch, wenn die Teile die vorliegen unverändert bleiben. Eigentlich banal, aber die Erfahrung zeigt, dass es besser ist, auch das Banale ab und an wieder einmal hinzuschreiben.

Ein Screendesign ist übrigens erst dann vollständig, wenn es auch dynamische Anteile einer Website enthält. Dazu gehören Animationen, Mouseover-Effekte, das Verhalten beim Öffnen oder Schließen von Teilinhalten und die Palette der eingesetzten Farben.

Wer ist ein guter Screendesigner?

Ein guter Screendesigner zeichnet sich dadurch aus, dass er mehr als nur ein grundlegendes Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen von Websites mitbringt. Es reicht heute bei Weitem nicht mehr aus, drei oder vier Zeichnungen abzuliefern und diese vom Auftraggeber absegnen zu lassen.

Im Druckbereich ist es relativ einfach in einem Katalog mit beispielsweise 200 Seiten eine Handvoll Seiten ein wenig abweichend vom Rest zu gestalten. Bei einer Website ist dies in aller Regel deutlich komplexer. Wo in Quark oder Indesign einfach eine zusätzliche Ebene hinzugenommen wird, braucht es bei einem Webserver eine Liste mit den abweichenden Seiten, eine Programmroutine die diese erkennt und den entsprechend abweichenden Inhalt ausliefert, ein HTML, das flexibel genug ist diesen darzustellen und einen Kunden, der diesen Aufwand bezahlt und die Ausnahme bei der Bedienung der Website auch immer im Kopf hat.

Screendesign für den »worst case«

Ein klassischer Fehler beim Screendesign ist das Arbeiten mit optimalen Inhalten. Ein einfaches Beispiel aus der Praxis: Ein Veranstaltungsort bekommt eine neue Website. Beim Screendesign nutzt der Designer Künstler-Namen wie »Oasis«, »Deep Purple«, »Rex Gildo«, »Abba«, »Joseph Haydn«, »W. A. Mozart«. Schön kurz und kompakt, da lässt sich gut mit arbeiten. Bei der technischen Umsetzung stellt sich dann heraus, dass real existierende »Bands« wie beispielsweise das »Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim« oder das »Freiburger Barockorchester« leider den vorgesehenen Rahmen sprengen.

Screendesign benötigt reale Daten für gutes Gelingen. Zu den realen Daten gehören immer auch die Extreme, also sehr kurze Titel, sehr lange Titel, fehlende Titel. Diese muss der Kunde liefern, bzw. der Screendesigner einfordern. Der Screendesigner hat diese beim Design zu berücksichtigen. Tut er das nicht, fällt Ihnen das Problem in der technischen Umsetzung auf die Füße. Mit Schwung und Schmackes.