Stichworte | Thomas Borghoff Web Engineering

Suchmaschinen

Wenn wir einmal davon ausgehen, dass Ihre Ressourcen begrenzt sind, müssen Sie sich relativ früh entscheiden, ob Sie sich im Umgang mit Suchmaschinen auf Schwarze oder Weiße Magie verlegen wollen. Für beide Varianten ist es allerdings notwendig, die Arbeitsweise von Suchmaschinen in ihren Grundzügen zu verstehen.

Schwarze Magie beinhaltet jene Techniken, die versuchen, jeweiliger Suchmaschine eine höhere Qualität an Inhalten vorzugaukeln. Weiße Magie ist dagegen der Versuch, die vorhandenen Inhalte möglichst vorteilhaft, aber ehrlich anzubieten. Schwarze Magie konzentriert sich dabei auf Automatismen, Technik und Programme, Weiße Magie hingegen auf die Inhalte, ihre Struktur und ihren Umfang. Im Englischen wird für diese Unterscheidung übrigens nicht die Magie, sondern der Hut herangezogen: Es wird vom »black hat« und vom »white hat« gesprochen.

Beide Wege können durchaus erfolgreich sein. Suchmaschinen tendieren dazu, den Weg der Weißen Magie zu bevorzugen – ihr Ziel ist es ja, einem Menschen am Ende ein Suchergebnis anzubieten, das dem gesuchten Inhalt möglichst nahe kommt. Die Hauptstrategie der Schwarzen Magie ist es daher, den Suchmaschinen zu suggerieren, sie sei weiße Magie. Das Hase-und-Igel-Spiel zwischen den Suchmaschinen und den Schwarzen Magiern läuft so immer weiter.

Kernbestand der Weißen Magie ist die Konzentration auf Inhalte, der dazu passende Slogan ist und war: »Content is King« – »Der Inhalt ist König«. Ich ergänze diesen Slogan immer noch um den Satz: »Google belohnt menschlichen Fleiß«.

Einführung: Was sehen Google und Bing?

Für eine Suchmaschine besteht eine Website aus

  • einer Anzahl von Einzeldateien (im Wesentlichen Text- und Bilddateien),
  • einer Ordnungs- oder Verzeichnisstruktur (wo liegt was?) und
  • Verweisen zwischen einzelnen Dateien.

Für die Bewertung der Qualität der Inhalte durch eine Suchmaschine ist daher zunächst wichtig, dass diese technisch zugänglich und sinnvoll strukturiert miteinander verwoben sind. Zur nachhaltigen Verbesserung der Suchmaschinenpositionierung gibt es insgesamt keinen Königsweg, sondern nur eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen, die miteinander kombiniert werden können.

Handwerklicher Umgang mit der HTML-Struktur

Die Suchmaschine liest das komplette HTML der Website, im HTML eingeschlossen ist der eigentliche Textinhalt. Suchmaschinen versuchen, diese Textinhalte zu erfassen, die darin enthaltenen Informationen in einen Sinnzusammenhang zu bringen, und sie anschließend zu gewichten. Eine Website kann diesen Prozess vereinfachen oder erschweren. Der einfache Zugang zum Inhalt erfolgt über eine saubere und fehlerfreie Umsetzung der Auszeichnung. Suchmaschinen sind durchaus fehlertolerant, es ist dennoch festzustellen, dass eine sehr saubere Struktur belohnt wird.

Als Erstes gilt es daher, die Seiten auf rein handwerklicher Ebene möglichst optimal zu »coden«. Das ausgelieferte HTML sollte möglichst weitgehend den Standards entsprechen. Nicht jeder Fehler verhindert die Zugänglichkeit für Suchmaschinen, das Ausliefern fehlerarmer HMTL-Codes ist aber einer von vielen Qualitätsaspekten. Dass ein fehlerarmer Code auch die Wartung und Pflege, sowie die Übernahme des Codes durch Dritte erleichtert, sollte eine zusätzliche Motivation sein.

»Semantische« Textstruktur mit Überschriften, Absätzen und Listen

Texte jeder Länge sollten sauber strukturiert sein, die HTML-Struktur sollte die Inhalte des Textes abbilden. Überschriften von H1 bis H6, Absätze P, Listen UL und OL, Zitate CITE, Betonungen EM, usw. Überschriften sollten sich auf die Inhalte der darauffolgenden Sätze beziehen und diese zusammenfassen. Damit tun Sie übrigens nicht nur der Suchmaschinen einen Gefallen, sondern auch dem schnellen Leser, der in einer Textwüste wie dieser hier den für ihn wichtigen Absatz sucht.

Auch wenn ein Ursprungstext, der normalerweise an anderer Stelle zum Einsatz kommt und auf der Website »recycelt« werden soll, ein Text mit nur wenigen Überschriften war, sollte er für das Web überarbeitet und mit Zwischenüberschriften ergänzt werden.

Weitere Strukturmerkmale

Bilder und Graphiken

Die Inhalte von Bildern und Graphiken sind Suchmaschinen weitgehend unzugänglich. Es ist zwar möglich, so wie es Facebook bereits praktiziert, Gesichtserkennung zu betreiben, nur: ob Peter, Paul und Mary, die da am Tisch sitzen, gerade zum Vorstand des FC Hinterdupf gewählt oder zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen Trickbetrugs verurteilt wurden, teilen wir der Suchmaschine besser mit.

Grundsätzlich sollten Bilder und Graphiken also mit einem ALT-Attribut versehen werden. Der dort hinterlegte Text sollte eine Bildbeschreibung darstellen: »Von links: Peter, Paul und Mary im Gasthaus »Zum Schützen« in Vorderdupf nach der Wahl zum Vorstand des FC Hinterdupf«. Für Portraits sind beispielsweise Vor- und Nachnamen samt Titel eine geeignete Wahl, Maschinen und Geräte sind mit Typen- und einer technischen Bezeichnung meist gut beschrieben, Produkte benötigen den Produktnamen und eine Kurzbeschreibung in wenigen Worten.

Wichtig sind ALT-Texte auch für den Fall, dass Bilder und Graphiken aus irgendeinem Grund nicht geladen werden. Stattdessen wird sodann etwa eine Kurzbeschreibung eingeblendet. Dies ist regelmäßig bei Newslettern der Fall, aber unter Umständen auch bei Verbindungen mit Mobilfunk.

Links

Links sollten mit dem Title-Attribut versehen werden, welches das Ziel des Links beschreibt. Textlinks sollten darüberhinaus immer aussagekräftig sein: »Mehr dazu«, »Weiterlesen«, »Hier klicken« sind eher ungeeignet, weil nichtssagend.

Dokumentbeschreibung und Meta-Informationen

Jede Seite kann mit individuellen Metadaten versehen werden. Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um das TITLE-Tag und das META-Tag DESCRIPTION. Auch wenn die Individualisierung dieser beiden Tags sehr viel Mühe bereitet, ist dies eine Grundvoraussetzung für eine gute bis hohe Relevanz der Seite für Suchmaschinen.

Es ist vergleichsweise aufwendig und kompliziert, diese Arbeit automatisiert oder redaktionell umzusetzen. Im Umkehrschluss heißt das jedoch, dass jene Seiten, bei welchen diese Arbeit durchgeführt wurde, entweder sehr individuell programmiert oder aber redaktionell intensiv betreut werden. Ab einer gewissen Größe der Website herrscht meist eine Mischform vor (beispielsweise eine Automatisierung der Tags mit redaktioneller Nacharbeit). In jedem Falle handelt es sich aber um Seiten, bei welchen der menschliche Urheber ein hohes Interesse daran hat, die Inhalte sinnvoll darzubieten. Der Schluss der Suchmaschinen, dass es sich daher auch um »relevante« Inhalte handeln muss, ist nun bestimmt kein ganz verkehrter.

TITLE-Tag

Dem TITLE-Tag kommt eine doppelte Bedeutung zu. Einmal dient es dazu, der Suchmaschine anzuzeigen, welche Inhalte auf der Seite zu finden sind. Es ist daher von sehr großer Bedeutung, dass die im TITLE-Tag enthaltenen Begriffe in der Seite an sich wiederholt werden. Damit wird auch deutlich, warum wir tendenziell für das Aufteilen großer Seiten in mehrere Einzelseiten plädieren: Auf diese Weise wird es möglich, spezifische Inhalte für ein spezielles und eng begrenztes Themengebiet innerhalb der Website für das TITLE-Tag zu erstellen.

Der Inhalt des TITLE-Tags wird bei der Ausgabe von Suchergebnissen als Seitentitel angezeigt. Ein sinnvoller und aussagekräftiger TITLE-Tag erhöht so die Klickrate.

Zuletzt ist zu beachten, dass der Inhalt des TITLE-Tags nicht zu lang sein sollte (optimal sind 10 bis 25 Wörter), und besonders wichtige Stichworte möglichst weit nach vorne gerückt werden. Zudem sollte unbedingt vermieden werden, das TITLE-Tag lediglich mit einer Aufzählung von Stichworten zu füllen, stattdessen sollte ein ganzer, vollständiger Satz gebildet werden.

Diese Seite als Beispiel

Als Beispiel soll diese Seite dienen, das TITLE-Tag lautet: »Über die Funktionsweise von Suchmaschinen und die Grundlagen von HTML | Thomas Borghoff, Websites und Marketing«

Das ist jetzt ziemlich sicher nicht die optimalste oder originellste Variante, aber als Startpunkt einer weitere Optimierung sicher schon einmal ganz ordentlich.

META-Tag DESCRIPTION

Dem META-Tag DESCRIPTION kommt in erster Linie die Funktion der Inhaltsbeschreibung zu. Dies ist weniger für das Ranking in der Suchmaschine wichtig als vielmehr für die Anzeige der Seite in der Ergebnisliste einer Suchanfrage, bei denen der Inhalte der DESCRIPTION sowohl bei Google und Bing die Zeilen 2 und 3 des Listeneintrages bildet. Daher sollte die DESCRIPTION ebenfalls individualisiert die Art des Inhaltes beschreiben, beispielsweise: Kurze Einführung in das Thema XY, Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte des Themas XY, Der spezielle Aspekt XY des Themas Z unter Berücksichtigung des Sachverhaltes AB.

Es wird deutlich, dass hier die zentralen Stichworte wieder aufgeführt werden, eine gewisse Varianz der Texte ist dabei wichtig, es sollten nicht alle Seiten mit Sätzen der gleichen Struktur versehen werden. Es sind ebenfalls ganze Sätze zu bilden. Es kann an dieser Stelle auch von der Ein- in die Mehrzahl gewechselt werden und umgekehrt.

Als Seitenbeschreibung habe ich gewählt
»Eine Zusammenfassung der wichtigsten Maßnahmen zur dauerhaft erfolgreichen Plazierung einer Website oder Homepage in Google und Bing«

Dateipfade und Informationsstrukur

Informationsstruktur

Im Versuch alle Inhalte einer Website möglichst weit oben in der Hierarchie zu positionieren (Stichwort: Alles ist wichtig) wird häufig völlig auf eine Struktur verzichtet. Dies ist meiner Einschätzung nach nicht hilfreich, da ja auch die Struktur der Information bereits einen Informationswert besitzt.

URL: Der Weg zur Einzelseite

Die URL (Uniform Resource Locator) einer Datei stellt einen wichtigen Aspekt bei der Bereitstellung von Inhalten dar. Sie besteht vereinfacht aus

  • dem Protokollteil (http://),
  • der Domain (www.irgendwas.de),
  • dem Verzeichnispfad (/irgendwo/),
  • dem Dateinamen (soundso.html oder soundso.php) und
  • und weiteren Anhängen (z.B. #hierher oder ?subject=456).

Die URLs einer Website sollten im Idealfall die Struktur der Inhalte einer Website abbilden. In einem solchen Fall kann ich bereits anhand der URL einer Website auf die Inhalte und deren inneren Zusammenhang schließen. SEs tun dies. Menschen im Übrigen auch.

Informationsstrukturen in Dateipfaden abbilden

Ich empfehle üblicherweise die Dateipfade, ausgehend von einer einheitlichen Domain, in zwei Stufen sprechend zu gestalten, also beispielsweise:

https://www.borghoff.de/rund-um-websites/

https://www.borghoff.de/rund-um-websites/suchmaschinen

https://www.borghoff.de/rund-um-websites/suchmaschinen/hilfreiche-verzeichnisstrukturen

Das scheint auf den ersten Blick ein bischen sperrig und lang zu sein, ist aber tatsächlich eine sinnvolle Struktur. Ganz wichtig ist dabei, dass die URL einheitlich aus Kleinbuchstaben besteht: Keine Umlaute, keine Leerzeichen, keine à oder á, keine Punkte, keine Sonderzeichen usw. Diese Zeichen sind zwar erlaubt, es ist aber sehr, sehr sinnvoll, sie zu vermeiden und auch nicht zu viel Angst vor langen URLs zu haben, zumindest nicht, wenn der Großteil der Seiten relativ kurze URLs hat. Hier kommt es auf eine angemessene Mischung an.

Index in der URL

Eine Verwendung von Datei-Indexen, Datenbank-IDs oder ähnlichen nicht sprechenden Bestandteilen einer URL sollte man versuchen zu vermeiden. Sie sind für die Suchmaschinen nicht schädlich, wohl aber für die Leser der Suchergebnisse, die sich eher überzeugen lassen eine sprechende URL anzuklicken, die in etwa den Inhalt der Seite bereits »erzählt«:

https://www.borghoff.de/webdesign/referenzen-websites/kleine-feine-websites